Konzert

Vom Ende der Zeit: Musikalische Visionen

„Apokalypse!“ Dieses Stichwort garantiert Nervenkitzel seit 2000 Jahren – auch in spektakulären Musikwerken. Drei zeitlos moderne Beispiele sind im Abschlusskonzert des Kammermusikfestivals Erlangen zu erleben. Die Komponistin Dorothea Hofmann enthüllt in ihrer Orgelfantasie „…wie ein Smaragd…“, welche Story dem Ganzen zugrunde liegt: Ein frühchristlicher Untergrund-Poet schleudert in einer Schrift namens „Apokalypsis“ („Offenbarung“) Flüche gegen das römische Imperium – und erträumt sich Zuflucht in einem edelsteingeschmückten Märchenhimmel. Dieselbe Vision überträgt Olivier Messiaen 1940/41 auf die politische Gegenwart: Als Kriegsgefangener der Wehrmacht hofft er in seinem legendären „Quartett für das Ende der Zeit“ auf göttliche Erlösung von der NS-Barbarei – und artikuliert das in faszinierend mystischen Klängen. Aber die Idee der „Apokalypse“ ist ambivalent: Sie war nicht immer ein Trost der Unterdrückten. Sie war auch, in den Händen von Mächtigen, ein Mittel der Unterdrückung: um Menschen mit Höllenängsten einzuschüchtern und fügsam zu machen. Darum – und um revolutionäre Befreiung davon – geht es im Livehörspiel „Cave cave Dominus videt“ von Horst Lohse (Musik) und Michael Herrschel (Text): Mit derselben aufklärerischen Liebe wie in Umberto Ecos „Name der Rose“ wird die überwältigende Pracht apokalyptischer Bilder lustvoll dekonstruiert. Das alte „Dies irae“-Motiv löst sich auf in unerhörte neue Klänge, in einen „Morgenwind, der die Angst verscheucht“. Die Mitwirkenden des Konzerts sind: Sirka Schwartz-Uppendieck (Orgel), Michael Herrschel (Stimme), Sandra Bazail Chávez (Klarinette), Katharina Jungwirt (Violine), Irene von Fritsch (Violoncello), Lorenz Trottmann (Klavier) und Franz Flemming (Technik und Visuals). Festivalchef Christoph Orendi und der Autor und Rezitator Michael Herrschel eröffnen das Konzert gemeinsam mit einem Interview-Gespräch.
Eintritt: 20 (15) Euro. Karten bei Kubic und ab 19:00 an der Abendkasse

19:30 - 21:30 Uhr
Neustädter Kirche, Neustädter Kirchenplatz 1, 91054 Erlangen